Mord im Mühlviertel

Ein warmer Föhn fegt durch die herbstliche Landschaft mit ihren bunten Laubbäumen, den gepflügten Äckern und den grünen Weidewiesen inmitten des hintersten Mühlviertels. An diesem Oktobertag steigt das Quecksilber im Thermometer weit über die Zwanzig-Grad-Marke. Sogar schon am Vormittag. So heiß war es zu dieser Jahreszeit in diesem Landstrich noch nie. Ein paar Krähen sitzen an den Feldrändern und bedienen sich an den vielen Samen der Wintergerste, die der Hinterleitner Hannes vergangenen Dienstag angesetzt hat. Aber nicht alles hat den Weg von der Sämaschine in das ungedüngte Erdreich gefunden. 
So dürfen auch die um diese Jahreszeit so aktiven schwarzen Krähen in den Genuss der Hinterleitnerschen Bio-Produkte kommen, die es sonst nur in einigen ausgewählten Geschäften zu kaufen gibt – und natürlich auch im örtlichen Greißler-Laden der Schwarz Irmi, die seit ein paar Monaten ein regionales Bio-Regal aufgestellt hat: Waren vom Bio-Bauern aus der Umgebung zu etwas teureren Preisen wie die herkömmlichen Industrieprodukte, nennt sich die Marktstrategie, die seit einiger Zeit auch in Kleinschlag Einzug gehalten hat. Nur recht verkaufen lassen die Bio-Müslikörner, der analogfreie Käse oder die geselchten Hopfenwürste sich nicht so wirklich gut. Kein Vergleich zum Linzer Südbahnhofmarkt, wo der Heinz, der Vater vom Hinterleitner Hannes, seit fast vier Jahren ein Standl hat. 
Seit etwa einer halben Stunde sitzt der passionierte Landwirt und potenzielle Hoferbe Hannes Hinterleitner am Traktor. Die Beine stecken in einer an den Knien abgeschnittenen Bundesheerhose. Knapp unter den Knien beginnen die schwarzen, leicht angedreckten Gummistiefel. Sein hellblaues Polo-Hemd hat er in die Hose gesteckt, das seinen Bauch, der sich durch das Sitzen leicht über den Gürtel schmiegt, noch dezenter betont. Auf der Stirn stehen leichte Schweißtropfen, und das von der Hitze im Führerhaus schweißnasse Haar steht in kleinen Büscheln vom Kopf ab. 
Gekonnt sticht er mit der Baggerschaufel, die mit spitzen Zähnen gespickt ist und wie eine riesige Mistgabel aussieht, in den Haufen. Er lädt eine Fuhre auf und leert diese mit einem lauten »Wwwums« in den Miststreuer. 
Plötzlich bemerkt er einen Widerstand. Hannes fährt mit dem Hoftruck einen Meter zurück, nimmt Anlauf und sticht mit voller Wucht in den Misthaufen, der wegen der ungewöhnlich hohen Temperatur heute noch mehr Fliegen anzieht als gewöhnlich. Die Gabel bohrt sich wie Butter durch die Mischung aus Stroh, Kuh- und Schweineexkrementen. Als er die Fuhre hochheben und zum Miststreuer transportieren will, stutzt er. Da kann was nicht stimmen. Die Ladung ist schwerer als sonst. Hannes muss Zwischengas geben, damit der Motor nicht abstirbt. 
»Scheiße«, schreit er auf, als er die Baggerschaufel mit den Zähnen kippt, um den Mist in den Streuer zu leeren: Ein menschlicher Körper hängt daran.


Mord im Mühlviertel

Hektik herrscht in Kleinschlag im oberen Mühlviertel: Heinz Hinterleitner, Biopionier und Vorzeigelandwirt wird von seinem Sohn Hannes tot im Misthaufen gefunden. Als man bei Johann Koglerauer, seinem zweiten, unehelichen Sohn, dessen Kreditkarte findet, scheint der Fall abgeschlossen. Inspektor Grinninger stößt aber auf viele Ungereimtheiten, die ihn schließlich in die Untiefen einer Vereinigung honoriger Persönlichkeiten bringen. Plötzlich steht der Dorfpolizist in einem tiefen Sumpf aus Korruption und Machtgelüsten. Und: Das Morden nimmt kein Ende.

Mord im Mühlviertel
Kriminalroman von Christian Hartl
Taschenbuch, 206 Seiten, € 12,90 (A)
ISBN 978-3-903092-77-8


Mord im Mühlviertel ist auch als e-book erhältlich

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Christian Hartl

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